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Rolf W. Günther Stiftung fördert Werner-Porstmann-Preis

Mit der Förderung des Werner-Porstmann-Preises setzt die Rolf W. Günther Stiftung für Radiologische Wissenschaften ein starkes Zeichen für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Interventionellen Radiologie.

von DeGIR · 16. Juli 2026

Prof. Dr. Rolf W. Günther gehört der Jury des Preises an und bringt seine langjährige Erfahrung als Wissenschaftler, Entwickler und Wegbereiter des Fachgebiets ein. Im Interview spricht er über die Bedeutung Werner Porstmanns für die moderne kathetergestützte Therapie, die Verantwortung gegenüber der nächsten Generation und darüber, warum gezielte Nachwuchsförderung entscheidend ist, um Innovation und Exzellenz in der Interventionellen Radiologie nachhaltig voranzubringen.

Prof. Dr. Rolf W. Günther

Herr Professor Günther, warum fördern Sie den Werner-Porstmann-Preis?

Werner Porstmann gehört zu den großen Pionieren der Interventionellen Radiologie und Kardiologie. Zu DDR Zeiten war er ein besonderes Aushängeschild der Charité und Ostberlins.

Porstmann war Direktor eines eigens für ihn geschaffenen Instituts für kardiovaskuläre Diagnostik. Mit seinem Namen verbindet man die erste Koronarangiografie in Deutschland und neue therapeutische Entwicklungen wie etwa den Korsettballon zur Aufdehnung von Gefäßstenosen und -verschlüssen, Embolisation pulmonaler AV-fisteln mit Drahtspiralen und den perkutanen Verschluss des Ductus art. Botalli. Mit diesen ersten Schritten begann die interventionelle Radiologie im Osten Deutschlands.

Zur gleichen Generation zählte auch Eberhard Zeitler, der frühzeitig die DDR verlassen hatte und mit der klinischen Einführung der Katheterangioplastie bei arterieller Verschlusskrankheit im Westen Deutschlands Pionierarbeit geleistet hat. Auch an anderen Stellen in Deutschland entstanden neue Ideen und erste interventionelle Ansätze.

Die Entwicklungen perkutaner durchleuchtungsgezielter Verfahren haben unser Fach nachhaltig geprägt und den Weg für viele minimal-invasive Therapien geebnet, die heute mit zahlreichen anderen Weiterentwicklungen weltweit zum klinischen Alltag gehören.

Mit der Förderung des Werner-Porstmann-Preises möchte ich dazu beitragen, sein wissenschaftliches Vermächtnis lebendig zu halten und zugleich junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf ihrem Weg zu unterstützen.

Sie sind heute selbst an der Charité tätig. Welche Bedeutung hat diese Verbindung für Sie?

Ich verdanke es dem Zufall und Herrn Prof. Bernd Hamm (ehemaliger Direktor der Klinik für Radiologie), nach Ende meines Ordinariats an der RWTH Aachen nach Berlin an die Charité 2011 eingeladen worden zu sein.

An der Charité in Berlin waren seit Gründung bekanntlich viele bedeutende Mediziner tätig. Die Atmosphäre dieser großartigen Geschichte spürt man vor allem auf dem Campus Berlin-Mitte, wo auch Werner Porstmann gewirkt hat. An diesem Ort tätig zu sein, wo eine der Wiegen der deutschen Interventionellen Radiologie stand, schafft eine besondere Verbundenheit mit Porstmanns wissenschaftlichem Erbe. Es erinnert uns daran, wie wichtig wissenschaftliche Neugier, Innovationskraft und der Mut sind, neue Wege zu gehen.

Warum ist Ihnen die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses so wichtig?

Die Zukunft unseres Fachgebiets hängt von engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ab, die bereit sind, neue Ideen zu entwickeln und bestehende Konzepte weiterzudenken. Der Werner-Porstmann-Preis soll exzellente Forschung sichtbar machen, junge Talente ermutigen und ihnen Anerkennung für ihre wissenschaftlichen Leistungen geben.

Welche Botschaft möchten Sie mit Ihrer Förderung des Werner-Porstmann-Preises vermitteln?

Ich möchte ein Zeichen für Innovation, wissenschaftliche Exzellenz und nachhaltige Nachwuchsförderung setzen. Werner Porstmann hat mit seiner Arbeit Maßstäbe gesetzt. Wenn wir heute junge Talente fördern, investieren wir in die Zukunft der Interventionellen Radiologie und führen sein wissenschaftliches Erbe auf sinnvolle Weise fort.

Wieso haben Sie 2006 die Rolf W. Günther Stiftung für Radiologische Wissenschaften gegründet?

Mir war es ein großes Anliegen, etwas von dem zurückzugeben, was mir die Radiologie in meinem Berufsleben ermöglicht hat. Wissenschaftlicher Fortschritt entsteht vor allem dort, wo junge, engagierte Menschen die Freiheit und die Unterstützung erhalten, neue Ideen zu entwickeln und auch ungewöhnliche Wege zu gehen.

Deshalb habe ich die Stiftung gegründet: Sie soll insbesondere den akademischen Nachwuchs fördern, Forschungsprojekte unterstützen und den nationalen wie internationalen wissenschaftlichen Austausch stärken. Gerade in der diagnostischen und interventionellen Radiologie sind Innovation, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung entscheidend. Dazu möchte die Stiftung einen nachhaltigen Beitrag leisten.

Sie haben immer für die Interventionelle Radiologie gebrannt. Was möchten sie der Gruppe der Jungen IR in der DeGIR mit auf den Weg geben?

Mein Rat an die Junge IR ist zunächst: Bewahren Sie sich Ihre Begeisterung und Ihre Neugier. Die Interventionelle Radiologie lebt seit jeher von Menschen, die bereit sind, neue Verfahren zu entwickeln, technische Möglichkeiten kritisch zu prüfen und etablierte Grenzen zu überwinden.

Gleichzeitig braucht es eine fundierte Ausbildung, wissenschaftliches Denken und den Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen – national wie international. Nutzen Sie daher jede Gelegenheit, voneinander zu lernen, sich zu vernetzen und eigene Ideen einzubringen. Besuchen Sie Kongresse, arbeiten Sie wissenschaftlich und schauen Sie auch über den Rand der eigenen Klinik hinaus.

Vor allem aber sollten Sie den klinischen Nutzen nie aus den Augen verlieren. Technische Innovation ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, ob sie die Behandlung für unsere Patientinnen und Patienten sicherer, schonender und wirksamer macht. Die Junge IR kann wesentlich dazu beitragen, dass sich das Fach auch in Zukunft dynamisch weiterentwickelt und seinen festen Platz in der Patientenversorgung behauptet.

Herr Professor Günther, herzlichen Dank für das Gespräch.